Paul Torsten Hahn
Maler und Grafiker

Über mich

Ich kann mich an eine Zeit erinnern in der meine Größe geeignet war um bequem unter einem Esstisch Platz zu finden. Es war ein geeigneter Ort um dem Wahnsinn um mich herum für eine Weile zu entfliehen. Dort packte ich meine Gedanken und Gefühle in Farbe auf‘s Papier. Dies war für mich eine Art Überlebensort.
Heute bin ich mir sicher, Malen hat mir das Leben gerettet. Seit her kann ich davon nicht lassen. Jeder Versuch alles in die Ecke zu schmeißen und nichts mehr der gleichen zu tun scheiterte. Der Überlebenstrieb der mich damals führte bekam einen starken Bruder, es war die Freude am Handwerk, mit eigenen Händen etwas zu produzieren. Es scheint mir nichts Besseres zu existieren, etwas Erfahrenes in eine Form zu bringen um innere Balance zu gewinnen. Die Mittel sind unerheblich. Ein gefundener Gegenstand mit meinen Händen zu verwandeln ist genauso geeignet wie eine Zeichnung, wie eine Grafik oder Malerei zu produzieren. Nicht die Zeichnung oder Grafik ist wichtig sondern der Prozess der zu einer Zeichnung oder Grafik führt ist entscheidend, und das kann lange dauern.

about

Stimmen über Paul Torsten Hahn

Günter Ebert, anlässlich der Ausstellungseröffnung in München-Grünwald, 2004

...Offensichtlich hat der Künstler einen erstaunlich sensiblen Sensor dafür entwickelt, was eine Form oder ein Formgefüge auszudrücken vermag; er setzt dies aber mit einer Wucht um, die so selbstverständlich daherkommt, als wäre es eine bildnerische Selbstverständlichkeit und hätte einfach so zu sein. Beispiele dafür sind die Holzschnitte „Adam“ und „Eva“...
...Das gegenständliche Naturbild ist darüber uninteressant geworden. Tritt man ein, zwei Schritte zurück verändert sich zuweilen das grobe Muster der Striche und die Arbeiten muten an wie stark vergrößerte Details eines feinen Stiches und die Muster setzen sich noch enger zu einem Ganzen zusammen. Die Gesichter beginnen zu leben und bisweilen beginnt für den Betrachter dieses fröstelnd machende Vis a Vis, das unklar lässt, ob ich das Bild betrachte oder das Bild mich.
Die Arbeiten erscheinen wie Komponenten eines „work in progress“, sind Stationen einer rasanten Produktion, eines automatischen „es zeichnet mich“. Nicht die ästhetische Vollendung ist das Ziel sondern die Zustandsbeschreibung – Polaroidaufnahmen der Seele...
...Um was geht es eigentlich? Nicht echt oder unecht – es geht um Wahrheit und Erkenntnis. Das schiere Abbilden eines Objektes zeigt eben nur einen Teil dessen Wahrheit. Die andere entzieht sich dem und will eigens entdeckt werden, und dazu müssen neue Wege beschritten werden. Häufig ist es der unkonventionelle Pfad, der den erfolgreichen neuen Zugang eröffnet, das „Quere“: quer denken, quer einsteigen, sich quer legen...
Paul Torsten Hahn ist so einer, der sich den direkten emotionalen Zugang zum Zeichnen neu eröffnet, einer, der quer denkt. Er sagt: „Alles hat mit allem zu tun, nichts existiert unabhängig. Alles hat, wie in der Natur abzulesen, seinen Sinn.“
Er begibt sich auf die Suche und hält sich nicht lange auf mit vordergründiger Ästhetik; er packt die Sache an: Wuchtig und zart, laut oder leise, kantig und rund – wie auch immer: Der Weg ist zwar nicht das Ziel, wird aber bewusst gegangen...

Ingrid Zimmermann, Süddeutsche Zeitung, 12. 10. 2004, anlässlich der Ausstellungseröffnung in München-Grünwald

...Eine Reihe großformatiger „Frauenköpfe“ in Tusche auf Papier lassen kurz an Jawlenskys hinreißende Menschenantlitze denken, aber bei Paul Torsten Hahn geht es nicht um weise Abgeklärtheit nach durchstandenem Leid, sondern um Verzweiflung und Zerrissenheit angesichts der Dunkelheit von Lebenswirren, die dennoch von Hoffnung sich nicht verabschiedet haben.
Rasch und sicher setzt Hahn das heftige Linienwerk dieser Gesichter. Doch nicht immer will er die Öffnung so weit treiben. In den Kaltnadelradierungen „Selbst“ oder „Kindskopf“ heiligt er noch das Verborgene, indem er die Räumlichkeit des runden Schädels aus einer Art Schraffur herauswachsen lässt. Man muss still Kontakt aufnehmen, will man die Züge dahinter sich herausschälen sehen...

Stefan Friedemann, anlässlich der Ausstellungseröffnung in Berlin- Lichtenberg, Studio Bildende Kunst, 2000

...Wenn in Pauls früheren Radierungen sich der Körper eines weiblichen Aktes in Lichtfacetten aus dem dunklen Grund herauslöst, überrascht mich, wie Sinnlichkeit und Herbheit absichtslos zusammenfließen, auch, weil seine figürlichen Motive streng aus dem Empfinden für flächige Bildstrukturen entwickelt erscheinen. In der wahrnehmbaren Dehnung des Wachsenlassens fasziniert mich – auch in kleineren Ätzungen – die Sicherheit, mit der blockhafte Formelemente – monumental gesetzt – die Entschiedenheit einer Idee steigern, ohne diese einer vorsätzlich wirkenden Verfestigung auszuliefern.
Spiel beweist sich bei Paul als tiefere – ein inneres Maß an Gelassenheit erreichende – Einsicht in die Folgerichtigkeit gestalterischer Mittel...
...Die Möglichkeit „Silben des Anfangs“ (Octavio Paz) jenseits der Banalität zeitgeistiger Zeichen zu finden und wieder als selbst gesehene Genauigkeit für autonom zu erklären, ist für mich Hoffnung in einer Zeit, in der die Akzeptanz des Gekonnten allzu oft über die schwerer zu erspürende Frage nach der eigenen Wahrheit (Form?) und der dazu gehörenden Auseinandersetzung gestellt wird...

Dr. Jens Semrau, anlässlich der Ausstellungseröffnung in Berlin, Galerie im Pferdestall, Kulturbrauerei, 1999

...Das Frühere ist also nicht abgetan, Paul Torsten Hahn ist sicherlich nicht jemand, der Erfahrungen wegwirft, als Ballast abtut, „Schwere von der Erde Leben“ (wie es Nietzsche nennt) muss nun mal erfahren und natürlich überwunden werden. Er ist deshalb auch nicht jemand, der ins Leere oder aus einer Leere lebt und arbeitet...
...Diese Helligkeit aus der Schwärze oder aus dem schluckenden Dunkel – das verstehe ich als Analogie zum Bedürfnis nach Leichtigkeit und Frische (das Wort Frische fiel im Gespräch mit Paul Torsten Hahn ein paar Mal) – nämlich aus dem „Geist der Schwere“ heraus, der es nach Nietzsche gerade ist, der laufen, springen, tanzen, fliegen macht, in der Überwindung natürlich. Aber die Schwere gehört dazu.
Leichtigkeit und Frische sehe ich aber auch und vor allem in den Zeichnungen, deren Bild- Ideen und – Erfindungen eine Gelöstheit und Selbständigkeit haben, dass man sich freut und dem Maler glaubt. Man freut sich natürlich, wenn jemand gut loszieht. Ich denke Paul Torsten Hahn hat einen guten Zug entwickelt...

Vita

Seit 1985 Ausstellungen im In- und Ausland. Die Werke befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen.

1962
in Berlin geboren

1979 - 81
Lehre als Dekorationsmaler beim Fernsehfunk in Berlin

1984 - 87
Studium an der Fachschule für Werbung und Gestaltung (Messe- und Ausstellungsbau)

1990 - 98
Studium an der Kunsthochschule Berlin - Weißensee, Malerei/Grafik bei Prof. Dieter Goltsche

1997
Diplom für freie Kunst/Malerei Meisterschüler bei Prof. Dieter Goltzsche

1998
Stipendium an der Cité internationale des Arts in Paris

2000 - 01
Malen und Zeichnen mit psychisch erkrankten Menschen in Berlin

2001
Umzug nach München

2001 - 04
Lehrtätigkeit im Studio Zeiler, München (gestalterische Grundlagen, Aktzeichen)

2002 - heute
Lehrauftrag an der Akademie für Mode und Design München (Aktzeichnen)

2003
Eröffnung der eigenen Grafikwerkstatt (Schule für Malen, Zeichnen und traditionelle Druckgrafik)

2006
Studium an der Kunstakademie München, Kunsttherapie

2008- heute
Dozent im Atelierprojekt München (freie Kunst und traditionelle Druckgrafik)

2008- heute
Dozent der Yehudi Menuhin Stiftung München

2009- heute
Dozent an der Städt. Schule der Phantasie München

Portfolio

Kontakt

Paul Torsten Hahn

Grafiker, Fotograf

0176 / 96 77 76 04

D - 80337 München

Augsburger Straße 13